Antependien führen durch das Kirchenjahr

GLAUBEN – Westerbur erhielt neue Vorhänge für den Altar im kleinsten Gotteshaus der Kirchengemeinde an der Ee

von Helmut Burmann

WESTERBUR. Ein Kirchenjahr wird bunt durch seine Farben: Violett, Weiß, Grün und Rot haben ihre liturgische Bedeutung. Diese ist am deutlichsten sichtbar am Antependium (lateinisch „Vorhang“) am Altar. Vielfach handelt es sich dabei um reich verzierte und bestickte Vorhänge aus Stoff. Nicht so in der Kirchengemeinde Westerbur, die vor kurzem neue Vorhänge für ihren Stipes, den Altar-Unterbau, bekam. Das Westerburer Antependium ist aus Wolle und wurde mit Seide verfeinert. Vor dem Antependium steht als Zeichen der Gemeinde ein Schiff aus Edelstahl mit goldfarbenem Rumpf, das vom Dornumersieler Arno Weyerts gefertigt wurde.

Aber auch das Antependium wurde in der Gemeinde hergestellt – in der Dornumer Handweberei Fiefschaft, die von der Mutter des Westerburer Kirchenvorstehers Johannes Steffens, Irene Steffens, gegründet wurde. Finanziert hat die nur 180 Mitglieder große Kirchengemeinde, die seit nunmehr fast drei Jahren einen neuen Geistlichen sucht, ihren neuen Altarschmuck, der jüngst eingeweiht wurde, durch Kollekten, freiwilliges Kirchengeld und eine Zuwendung der Raiffeisen Volksbank Fresena.

Die Westerburer Kirche ist die jüngste und kleinste der drei Kirchen der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden an der Ee – Roggenstede, Westeraccum und Westerbur. Erstmals wird Westerbur im Jahr 1530 als Kirchspiel erwähnt. Zuvor soll in Westerbur nur eine Kapelle gestanden haben, eine Filialkirche von Fulkum. Die Kirche wurde im Jahr 1753 auf den Grundmauern der mittelalterlichen Vorgängerkirche als Saalkirche mit polygonalem Chor erbaut. Dabei wurden die alten Backsteine wiederverwendet. Westlich ist der kleine Kirchturm angebaut, der auch als Eingang fungiert.

Der Innenraum wird von einem hölzernen Tonnengewölbe abgeschlossen. Die Einrichtungsgegenstände stammen im Wesentlichen aus dem Vorgängerbau.

Die Orgel wurde 1860 von Arnold Rohlfs gebaut und verfügt über sieben Register auf einem Manual und angehängtem Pedal.[4] Ungewöhnlich ist dessen Bauweise als sogenanntes Messerrückenpedal, das in Ostfriesland nur selten begegnet und Rohlfs noch in Thunum (1855) und vermutlich auch in Siegelsum (1845) eingesetzt hat. Das Instrument ist weitgehend erhalten.

Quelle: Anzeiger für Harlingerland vom 10.04.2021