Antependien führen durch das Kirchenjahr

Freitag, 23. April 2021

GLAUBEN – Westerbur erhielt neue Vorhänge für den Altar im kleinsten Gotteshaus der Kirchengemeinde an der Ee

von Helmut Burmann

WESTERBUR. Ein Kirchenjahr wird bunt durch seine Farben: Violett, Weiß, Grün und Rot haben ihre liturgische Bedeutung. Diese ist am deutlichsten sichtbar am Antependium (lateinisch „Vorhang“) am Altar. Vielfach handelt es sich dabei um reich verzierte und bestickte Vorhänge aus Stoff. Nicht so in der Kirchengemeinde Westerbur, die vor kurzem neue Vorhänge für ihren Stipes, den Altar-Unterbau, bekam. Das Westerburer Antependium ist aus Wolle und wurde mit Seide verfeinert. Vor dem Antependium steht als Zeichen der Gemeinde ein Schiff aus Edelstahl mit goldfarbenem Rumpf, das vom Dornumersieler Arno Weyerts gefertigt wurde.

Aber auch das Antependium wurde in der Gemeinde hergestellt – in der Dornumer Handweberei Fiefschaft, die von der Mutter des Westerburer Kirchenvorstehers Johannes Steffens, Irene Steffens, gegründet wurde. Finanziert hat die nur 180 Mitglieder große Kirchengemeinde, die seit nunmehr fast drei Jahren einen neuen Geistlichen sucht, ihren neuen Altarschmuck, der jüngst eingeweiht wurde, durch Kollekten, freiwilliges Kirchengeld und eine Zuwendung der Raiffeisen Volksbank Fresena.

Die Westerburer Kirche ist die jüngste und kleinste der drei Kirchen der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden an der Ee – Roggenstede, Westeraccum und Westerbur. Erstmals wird Westerbur im Jahr 1530 als Kirchspiel erwähnt. Zuvor soll in Westerbur nur eine Kapelle gestanden haben, eine Filialkirche von Fulkum. Die Kirche wurde im Jahr 1753 auf den Grundmauern der mittelalterlichen Vorgängerkirche als Saalkirche mit polygonalem Chor erbaut. Dabei wurden die alten Backsteine wiederverwendet. Westlich ist der kleine Kirchturm angebaut, der auch als Eingang fungiert.

Der Innenraum wird von einem hölzernen Tonnengewölbe abgeschlossen. Die Einrichtungsgegenstände stammen im Wesentlichen aus dem Vorgängerbau.

Die Orgel wurde 1860 von Arnold Rohlfs gebaut und verfügt über sieben Register auf einem Manual und angehängtem Pedal.[4] Ungewöhnlich ist dessen Bauweise als sogenanntes Messerrückenpedal, das in Ostfriesland nur selten begegnet und Rohlfs noch in Thunum (1855) und vermutlich auch in Siegelsum (1845) eingesetzt hat. Das Instrument ist weitgehend erhalten.

Quelle: Anzeiger für Harlingerland vom 10.04.2021

Autogottesdienst: Jeder für sich und alle zusammen

Sonntag, 20. Dezember 2020

WESTERACCUMERSIEL/DORNUMERSIEL. (dit) „Keiner hatte Lust, Leute an der Kirchentür abzuweisen. Gerade an Heiligabend“, erzählt Pastor Stephan Birkholz-Hölter. Weil früh abzusehen war, dass die Regeln dazu führen würden, dass die Kirchen nicht so voll werden dürfen, haben er und die Mitglieder der Kirchenvorstände Roggenstede, Westeraccum und Westerbur nach anderen Möglichkeiten gesucht.

Ein Autogottesdienst sei eine Option gewesen. „Wir haben erst einmal überlegt, ob wir eine geeignete Fläche haben“, sagt der sogenannte Springer-Pastor des Kirchenkreises, der in den drei Gemeinden während der Vakanz vertritt. Die Fläche gibt es: die Parkplätze rechts und links vom Hafenbecken in Westeraccumersiel/Dornumersiel. Zuerst waren die Veranstalter selbst skeptisch. Doch es gab von Anfang an viel Unterstützung. Die Bühne, die auf dem Schöpfwerk stehen wird und auch die Boote im Hafen werden zudem weihnachtlich dekoriert, damit die richtige Atmosphäre aufkommt.

Damit niemand sein Fenster aufmachen muss, wird der Ton über eine Radiofrequenz übertragen. „Niemand muss technikaffin sein“, betont Birkholz-Hölter. Denn die Frequenz werde am Eingang bekanntgegeben und darauf eine Erkennungsmelodie gespielt. Weil die Autos auch einen Abstand von 1,5 Meter zueinander haben müssen – falls doch jemand sein Fenster öffnet – passen zwar nicht ganz 300 Autos auf die Parkplätze, doch Birkholz-Hölter ist sicher, dass es trotzdem reicht. „Es sitzen ja mehrere Menschen in jedem Auto.“

Das Besondere am Autogottesdienst: Im Wagen darf gesungen werden. „Ich habe gemerkt, dass es mir sehr fehlt. Und wir haben bewusst viel Musik und viele bekannte Weihnachtslieder eingeplant“, sagt der Pastor, der den Gottesdienst um 16.30 Uhr zusammen mit Lektor Daniel Galts aus Dornum hält.

Quelle: Anzeiger für Harlingerland vom 17.12.2020

Ein Gotteshaus im Zeichen der Seefahrt

Donnerstag, 30. Juli 2020

PETRIKIRCHE Schiffe und Kapitänsgräber betonen Westeraccums Nähe zum Meer – Gebäude hat noch altes Domikalgewölbe

Protestantisch schlicht kommt die Kirche daher. Besonderes lässt sich in dem Gebäude aus Backstein dennoch entdecken.

VON JULIA DITTMANN

WESTERACCUM – Rustikal. So wirkt die Petrikirche in Westeraccum zunächst. Denn die roten Backsteine, aus denen das Gotteshaus gebaut ist, sind auch im Innenraum nicht verputzt.

„Die Kirche war zu feucht“, erklärt Kirchenführer Hermann Rector. Es habe immer feuchte Stellen auf dem Putz gegeben. Nun liegen die Steine frei, die Fenster öffnen sich automatisch einen Spalt, um zu lüften. Auffälliger als die roten Wände ist jedoch die Decke des Kirchenschiffes. Denn anders als in der Mehrzahl der Kirchen in der Region, sind die drei sogenannten Domikalgewölbe in Westeraccum erhalten geblieben. Domikalgewölbe sind zur Mitte hin kuppelartig geformt.

Drei Fotos von Julia Dittmann  zeigen eine Ansicht der Kanzeltür, das Votivschiff über dem Ausgang sowie eine Totale Richtung Altar

„In den meisten Kirchen sind die Gewölbe wegen Einsturzgefahr beseitigt worden“, erläutert Rector. Sie seien dann durch flache Decken ersetzt worden. „Hier ist das trotz der Nähe zum Wasser und der salzigen Luft nicht passiert. Bei der Renovierung 2000 wurden auch die Malereien unter dem Putz entdeckt und restauriert“, fährt der 89-Jährige fort.

Die Nähe zum Meer und damit zur Seefahrt hat das Gebäude geprägt. Davon zeugen schon die zwei Votivschiffe, die dem Gebäude gestiftet wurden. Das eine hängt im Mittelgang zwischen den zwei Kronleuchtern, das andere ziert den Ausgang an der Nordseite. „Die sollen die Verbundenheit der Gemeinde mit ihren Seefahrern betonen“, sagt Hermann Rector.

Die Fischerei ist seit Jahrhunderten für den kleinen Ort von Bedeutung. Ausgrabungen der Ostfriesischen Landschaft um die Jahrtausendwende haben ein kontinuierliches Aufschütten einer Warft vom ersten Jahrhundert nach Christus bis heute nachgewiesen. „Die nahe Nordsee machte Handel früh möglich“, führt Hermann Rector weiter aus.

Andere alte Kirchen präsentieren häufig die Schätze ihrer katholischen Vergangenheit. In der Petrikirche hingegen wird der Protestantismus neben dem sehr schlicht gehaltenen Innenraum selbst durch den Kanzelaufgang noch hervorgehoben. Der ist verschlossen mit einer geschnitzten Tür, flankiert von den Reformatoren Jan Hus und Martin Luther. „Das Amt für Kunst- und Denkmalspflege hatte das Tor abgenommen und die Figuren an die Wand gestellt“, erzählt Hermann Rector. Nun ist die Kanzel mit dem Aufgang als Gesamtes wieder hergerichtet worden. Sie stammt von 1694. Auf dem Schalldeckel sind verschiedene kleine Figuren zu sehen, unter anderem Jakob mit der Himmelsleiter.

Vergleichsweise neu ist die Orgel: 1972 wurde sie in der Werkstatt von Alfred Führer in Wilhelmshaven gebaut. Der Orgelprospekt hingegen – das äußere Erscheinungsbild des Instruments – ist noch von der Vorgängerorgel aus dem Jahr 1810.

Die Empore, auf der die Orgel steht, zeigt an ihrem Geländer acht Tugenden in menschlicher Form: Die Geduld, die Mäßigkeit, die Vorsichtigkeit, die Liebe, der Glaube, die Hoffnung, die Gerechtigkeit und die Stärke.

Eine weitere Besonderheit in Westeraccum: die Kapitänsgrabsteine aus dem 18. Jahrhundert. Sie stehen auf dem Friedhof um die Kirche herum. Anstelle von flach liegenden Grabplatten, handelt es sich um aufrechte Stelen. „Der Transport des Sandsteins war sehr teuer, deshalb konnten sich das fast nur Kapitäne leisten“, sagt Rector. Die Platten wurden mit dem Schiffstyp geschmückt, auf dem der jeweilige verstorbene Kapitän zur See fuhr.

Zwei Fotos von Julia Dittmann zeigen Hermann Rector und die Außenansicht der Petrikirche Westeraccum wo der Glockenturm separat steht, wie bei den meisten friesischen Kirchen



DIE OSTUNG
Unter einer Ostung versteht man die Ausrichtung vieler Kirchengebäude nach Osten, zum Sonnenaufgang. Die aufgehende Sonne gilt im Christentum als Symbol für die Auferstehung Christi. Die Ausrichtung hin zur Sonne ist allerdings viel älter als das Christentum.

Bei einer geosteten Kirche liegt der Altar in der Ostspitze des Gebäudes. Im frühen Christentum hingegen lag der Eingang im Osten, der Altar im Westen, sodass die Priester Richtung Gemeinde und gleichzeitig Richtung Osten den Gottesdienst feierten. Damit hat man sich bewusst gegen die als heidnisch empfundene Anbetung der Sonne gerichtet. Zudem folgte dies der Ausrichtung des Jerusalemer Tempels.

Eine besondere Richtung zum Beten kennen viele Religionen. Das Judentum etwa hat sich zum Tempel nach Jerusalem gewendet, im Islam wenden sich Betende der Ka’aba in Mekka zu. Auch hinduistische Tempel sind oft in Ost-West-Richtung ausgerichtet.


Quelle: Anzeiger für Harlingerland vom 29.07.2020

Kirchenvorstand Herma Heyken zurück in Westeraccum

Freitag, 22. November 2019

Die Norder Lektorin plant zusammen mit dem Projektchor „Taktwechsel“ einen Gottesdienst

WESTERACCUM – Das Pfarramt in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde an der Ee (Roggenstede, Westeraccum und Westerbur) ist seit dem 1. Mai 2017 vakant. Entsprechend selten gibt es beispielsweise in der Petrikirche in Westeraccum Gottesdienste. Am Sonntag allerdings wird das Gotteshaus wieder mit Leben erfüllt sein, denn die Norder Kirchenvorsteherin Herma Heyken kehrt als Lektorin in ihren Geburtsort zurück.

Die langjährige Pressesprecherin des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz bereitet einen gefühlvollen Gottesdienst für den Ewigkeitssonntag in der Petrikirche vor. Herma Heyken, die gebürtig aus Westeraccum (Altensiel) stammt, gestaltet diesen gemeinsam mit dem Projektchor „Taktwechsel“ und dessen Chorleiter Harm-Dierk Wellmann (Wittmund). Gemeinsam wird der verstorbenen Angehörigen gedacht und für sie eine Kerze angezündet. In ihrer Predigt wird Heyken mit Hilfe des Propheten Jesaja der Frage nachspüren, wann man nach einem Trauerfall wieder lachen darf.

Der Projektchor „Taktwechsel“, dem 50 Sängerinnen und Sänger aus ganz Ostfriesland angehören, tritt zum ersten Mal in Westeraccum auf und probt anschließend im Gemeindehaus. Der Gottesdienst beginnt um 10.30 Uhr und dauert etwa eine Stunde.

Quelle: Anzeiger für Harlingerland vom 22.11.2019

Möglicher neuer Pastor stellt sich vor

Samstag, 10. August 2019

KIRCHE – Gottesdienst in Westeraccum

WESTERACCUM. (AH) Die seit Mai 2017 vakanten Kirchengemeinden Roggenstede, Westeraccum und Westerbur haben nun endlich Grund zur Hoffnung, dass ihre halbe Pfarrstelle bald wieder besetzt werden kann. Denn am kommenden Sonntag stellt sich mit Pastor Carsten Marx (46) ein Bewerber für diese Stelle vor. Die Hannoversche Landeskirche hat ihre Vokation bereits erteilt, teilt Stephan Birkholz-Hölter, Altenheimseelsorger und Springerpastor des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Harlingerland mit.

Sollte binnen einer Woche nach dem Gottesdienst kein begründeter Einwand geltend gemacht werden, wird Carsten Marx der neue Pastor für die drei Kirchengemeinden an der Ee. Der Gottesdienst mit der Aufstellungspredigt findet morgen, am Sonntag, 11. August, um 10.30 Uhr in der Petrikirche Westeraccum statt. Anschließend lädt die Gemeinde zum Grillen im Pfarrgarten ein, wo Gelegenheit sein wird, den Kandidaten näher kennenzulernen.

Carsten Marx stammt gebürtig aus Krefeld am Niederrhein, studierte evangelische Theologie in Wien und Bonn, sowie vorher schon Kirchenmusik. Nach Tätigkeiten in Gemeinde- und Schuldienst in mehreren Orten Österreichs, betreut er zur Zeit die regionale Pfarrstelle der Gemeinden Großpetersdorf und Rechnitz im Burgenland. Er ist verheiratet und hat drei Töchter. Mit Friesland/Ostfriesland verbinden ihn unter anderem die Liebe zur Nordseeküste und bereits einige Einsätze als Urlauberseelsorger auf Wangerooge.

Quelle: Anzeiger für Harlingerland vom 10.08.2019