Ein Gotteshaus im Zeichen der Seefahrt

Donnerstag, 30. Juli 2020

PETRIKIRCHE Schiffe und Kapitänsgräber betonen Westeraccums Nähe zum Meer – Gebäude hat noch altes Domikalgewölbe

Protestantisch schlicht kommt die Kirche daher. Besonderes lässt sich in dem Gebäude aus Backstein dennoch entdecken.

VON JULIA DITTMANN

WESTERACCUM – Rustikal. So wirkt die Petrikirche in Westeraccum zunächst. Denn die roten Backsteine, aus denen das Gotteshaus gebaut ist, sind auch im Innenraum nicht verputzt.

„Die Kirche war zu feucht“, erklärt Kirchenführer Hermann Rector. Es habe immer feuchte Stellen auf dem Putz gegeben. Nun liegen die Steine frei, die Fenster öffnen sich automatisch einen Spalt, um zu lüften. Auffälliger als die roten Wände ist jedoch die Decke des Kirchenschiffes. Denn anders als in der Mehrzahl der Kirchen in der Region, sind die drei sogenannten Domikalgewölbe in Westeraccum erhalten geblieben. Domikalgewölbe sind zur Mitte hin kuppelartig geformt.

Drei Fotos von Julia Dittmann  zeigen eine Ansicht der Kanzeltür, das Votivschiff über dem Ausgang sowie eine Totale Richtung Altar

„In den meisten Kirchen sind die Gewölbe wegen Einsturzgefahr beseitigt worden“, erläutert Rector. Sie seien dann durch flache Decken ersetzt worden. „Hier ist das trotz der Nähe zum Wasser und der salzigen Luft nicht passiert. Bei der Renovierung 2000 wurden auch die Malereien unter dem Putz entdeckt und restauriert“, fährt der 89-Jährige fort.

Die Nähe zum Meer und damit zur Seefahrt hat das Gebäude geprägt. Davon zeugen schon die zwei Votivschiffe, die dem Gebäude gestiftet wurden. Das eine hängt im Mittelgang zwischen den zwei Kronleuchtern, das andere ziert den Ausgang an der Nordseite. „Die sollen die Verbundenheit der Gemeinde mit ihren Seefahrern betonen“, sagt Hermann Rector.

Die Fischerei ist seit Jahrhunderten für den kleinen Ort von Bedeutung. Ausgrabungen der Ostfriesischen Landschaft um die Jahrtausendwende haben ein kontinuierliches Aufschütten einer Warft vom ersten Jahrhundert nach Christus bis heute nachgewiesen. „Die nahe Nordsee machte Handel früh möglich“, führt Hermann Rector weiter aus.

Andere alte Kirchen präsentieren häufig die Schätze ihrer katholischen Vergangenheit. In der Petrikirche hingegen wird der Protestantismus neben dem sehr schlicht gehaltenen Innenraum selbst durch den Kanzelaufgang noch hervorgehoben. Der ist verschlossen mit einer geschnitzten Tür, flankiert von den Reformatoren Jan Hus und Martin Luther. „Das Amt für Kunst- und Denkmalspflege hatte das Tor abgenommen und die Figuren an die Wand gestellt“, erzählt Hermann Rector. Nun ist die Kanzel mit dem Aufgang als Gesamtes wieder hergerichtet worden. Sie stammt von 1694. Auf dem Schalldeckel sind verschiedene kleine Figuren zu sehen, unter anderem Jakob mit der Himmelsleiter.

Vergleichsweise neu ist die Orgel: 1972 wurde sie in der Werkstatt von Alfred Führer in Wilhelmshaven gebaut. Der Orgelprospekt hingegen – das äußere Erscheinungsbild des Instruments – ist noch von der Vorgängerorgel aus dem Jahr 1810.

Die Empore, auf der die Orgel steht, zeigt an ihrem Geländer acht Tugenden in menschlicher Form: Die Geduld, die Mäßigkeit, die Vorsichtigkeit, die Liebe, der Glaube, die Hoffnung, die Gerechtigkeit und die Stärke.

Eine weitere Besonderheit in Westeraccum: die Kapitänsgrabsteine aus dem 18. Jahrhundert. Sie stehen auf dem Friedhof um die Kirche herum. Anstelle von flach liegenden Grabplatten, handelt es sich um aufrechte Stelen. „Der Transport des Sandsteins war sehr teuer, deshalb konnten sich das fast nur Kapitäne leisten“, sagt Rector. Die Platten wurden mit dem Schiffstyp geschmückt, auf dem der jeweilige verstorbene Kapitän zur See fuhr.

Zwei Fotos von Julia Dittmann zeigen Hermann Rector und die Außenansicht der Petrikirche Westeraccum wo der Glockenturm separat steht, wie bei den meisten friesischen Kirchen



DIE OSTUNG
Unter einer Ostung versteht man die Ausrichtung vieler Kirchengebäude nach Osten, zum Sonnenaufgang. Die aufgehende Sonne gilt im Christentum als Symbol für die Auferstehung Christi. Die Ausrichtung hin zur Sonne ist allerdings viel älter als das Christentum.

Bei einer geosteten Kirche liegt der Altar in der Ostspitze des Gebäudes. Im frühen Christentum hingegen lag der Eingang im Osten, der Altar im Westen, sodass die Priester Richtung Gemeinde und gleichzeitig Richtung Osten den Gottesdienst feierten. Damit hat man sich bewusst gegen die als heidnisch empfundene Anbetung der Sonne gerichtet. Zudem folgte dies der Ausrichtung des Jerusalemer Tempels.

Eine besondere Richtung zum Beten kennen viele Religionen. Das Judentum etwa hat sich zum Tempel nach Jerusalem gewendet, im Islam wenden sich Betende der Ka’aba in Mekka zu. Auch hinduistische Tempel sind oft in Ost-West-Richtung ausgerichtet.


Quelle: Anzeiger für Harlingerland vom 29.07.2020

Kirchenvorstand Herma Heyken zurück in Westeraccum

Freitag, 22. November 2019

Die Norder Lektorin plant zusammen mit dem Projektchor „Taktwechsel“ einen Gottesdienst

WESTERACCUM – Das Pfarramt in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde an der Ee (Roggenstede, Westeraccum und Westerbur) ist seit dem 1. Mai 2017 vakant. Entsprechend selten gibt es beispielsweise in der Petrikirche in Westeraccum Gottesdienste. Am Sonntag allerdings wird das Gotteshaus wieder mit Leben erfüllt sein, denn die Norder Kirchenvorsteherin Herma Heyken kehrt als Lektorin in ihren Geburtsort zurück.

Die langjährige Pressesprecherin des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz bereitet einen gefühlvollen Gottesdienst für den Ewigkeitssonntag in der Petrikirche vor. Herma Heyken, die gebürtig aus Westeraccum (Altensiel) stammt, gestaltet diesen gemeinsam mit dem Projektchor „Taktwechsel“ und dessen Chorleiter Harm-Dierk Wellmann (Wittmund). Gemeinsam wird der verstorbenen Angehörigen gedacht und für sie eine Kerze angezündet. In ihrer Predigt wird Heyken mit Hilfe des Propheten Jesaja der Frage nachspüren, wann man nach einem Trauerfall wieder lachen darf.

Der Projektchor „Taktwechsel“, dem 50 Sängerinnen und Sänger aus ganz Ostfriesland angehören, tritt zum ersten Mal in Westeraccum auf und probt anschließend im Gemeindehaus. Der Gottesdienst beginnt um 10.30 Uhr und dauert etwa eine Stunde.

Quelle: Anzeiger für Harlingerland vom 22.11.2019

Möglicher neuer Pastor stellt sich vor

Samstag, 10. August 2019

KIRCHE – Gottesdienst in Westeraccum

WESTERACCUM. (AH) Die seit Mai 2017 vakanten Kirchengemeinden Roggenstede, Westeraccum und Westerbur haben nun endlich Grund zur Hoffnung, dass ihre halbe Pfarrstelle bald wieder besetzt werden kann. Denn am kommenden Sonntag stellt sich mit Pastor Carsten Marx (46) ein Bewerber für diese Stelle vor. Die Hannoversche Landeskirche hat ihre Vokation bereits erteilt, teilt Stephan Birkholz-Hölter, Altenheimseelsorger und Springerpastor des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Harlingerland mit.

Sollte binnen einer Woche nach dem Gottesdienst kein begründeter Einwand geltend gemacht werden, wird Carsten Marx der neue Pastor für die drei Kirchengemeinden an der Ee. Der Gottesdienst mit der Aufstellungspredigt findet morgen, am Sonntag, 11. August, um 10.30 Uhr in der Petrikirche Westeraccum statt. Anschließend lädt die Gemeinde zum Grillen im Pfarrgarten ein, wo Gelegenheit sein wird, den Kandidaten näher kennenzulernen.

Carsten Marx stammt gebürtig aus Krefeld am Niederrhein, studierte evangelische Theologie in Wien und Bonn, sowie vorher schon Kirchenmusik. Nach Tätigkeiten in Gemeinde- und Schuldienst in mehreren Orten Österreichs, betreut er zur Zeit die regionale Pfarrstelle der Gemeinden Großpetersdorf und Rechnitz im Burgenland. Er ist verheiratet und hat drei Töchter. Mit Friesland/Ostfriesland verbinden ihn unter anderem die Liebe zur Nordseeküste und bereits einige Einsätze als Urlauberseelsorger auf Wangerooge.

Quelle: Anzeiger für Harlingerland vom 10.08.2019

Stephan Birkholz-Hölter freut sich auf neue Aufgaben

Sonntag, 28. Mai 2017

KIRCHE Neuer Pastor im Harlingerland – Offizielle Einführung am Pfingstsonntag in St. Magnus

ESENS/AH/HÄ – „Wir möchten gerne in der Nähe der Familie sein“, antwortet Pastor Stephan Birkholz-Hölter auf die Frage, was ihn nach Ostfriesland geführt hat. Gemeint ist die Familie seiner Frau, die im nahen und etwas weiteren Umfeld von Wittmund heimisch ist. Doch das ist nicht der einzige Grund für den 42- Jährigen.

Nach mehrjähriger Gemeindearbeit und einer Projektarbeit im Landeskirchenamt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers freut er sich sehr auf sein neues Aufgabenfeld, heißt es in einer Pressemitteilung des Kirchenkreises Harlingerland. In der Altenheim-Seelsorge möchte Pastor Birkholz-Hölter für die einzelnen Menschen da sein: „Ich möchte geben, ohne zurück zu erwarten, und so vom Glauben weitersagen.“ Ideen, wie das praktisch aussehen kann, hat er reichlich. Doch zunächst heißt es für ihn, den Kirchenkreis Harlingerland mit seinen haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden kennenzulernen. Dazu gehört für ihn natürlich in erster Linie die Kontaktaufnahme zu den Trägern der Altenheime in dieser Region.

Stephan Birkholz-Hölter ist neuer Pastor im Harlingerland.

Stephan Birkholz-Hölter ist neuer Pastor im Harlingerland.
BILD: KKH/HEIKE PENDIAS

Gleichzeitig wird der Geistliche als Springerkraft im Kirchenkreis Harlingerland tätig sein. Zurzeit ist die Pfarrstelle für Westeraccum, Roggenstede und Westerbur nicht besetzt. Hier wird Stephan Birkholz-Hölter die Begleitung der Kirchenvorstände und in Zusammenarbeit mit anderen die Versorgung der Amtshandlungen, der Gottesdienste und des Konfirmandenunterrichts übernehmen.

Neben diesen neuen Aufgaben ist der Pastor im Moment auch noch in seinen neuen vier Wänden gefordert. Zusammen mit helfenden Händen aus der Familie renoviert er seine Wohnung. Mitte Juni sollen seine Frau Anne- Karin Birkholz (42) und die gemeinsamen Kinder Deborah (6) und Jonathan (4) endlich auch in das hoffentlich fertige Zuhause in Wittmund einziehen. Mit dem 1. Mai hat Stephan Birkholz-Hölter seine Aufgaben als Vakanzvertreter bereits übernommen. Die Kontaktaufnahme zu den Vertretern von Altenheimen wird folgen.

Die offizielle Einführung in seinen Dienst wird am Pfingstsonntag, 4. Juni, um 10 Uhr in der St.-Magnus-Kirche in Esens sein. Zu diesem Festgottesdienst mit Abendmahl lädt der Kirchenkreis Harlingerland alle Interessierten ein.

Quelle: Anzeiger für Harlingerland vom 27.05.2017

Weltgebetstag rückt die Philippinen in den Fokus

Donnerstag, 2. März 2017

ÖKUMENE Schwerpunktland von Gegensätzen geprägt – Spiekeroog lädt schon heute zum Gottesdienst ein

HARLINGERLAND/LBR – In jedem Jahr laden weltweit am ersten Freitag im März Frauen dazu ein, an ökumenischen Gottesdiensten teilzunehmen, darunter auch im Harlingerland. Im Fokus stehen in diesem Jahr die Philippinen. Frauen dieses Inselstaats haben die Gottesdienstordnung für den Weltgebetstag 2017 erarbeitet. Ob „Anti-Drogen-Krieg“, Umweltkatastrophen oder Arm- Reich-Gefälle – die Philippinen sorgten in den vergangenen Jahren nicht nur für positive Schlagzeilen.

Unter dem Motto „Was ist denn fair?“ kommen Christen sämtlicher Konfessionen zusammen, um mit Gebeten, Liedern und gemeinsamen Aktionen auf Missstände aufmerksam zu machen, sie zu hinterfragen und für mehr Gerechtigkeit einzustehen.

Der alljährliche Weltgebetstag ist nun schon seit Ende des 19. Jahrhunderts fester Bestandteil im Kirchenjahr und soll an die christlichen Grundpfeiler erinnern: Nächstenliebe, gegenseitige Achtung und Gerechtigkeit. Vorbereitet und ausgerichtet werden die Gottesdienste von Frauen, um vor allem zum Thema Geschlechtergerechtigkeit einen Fortschritt zu bewirken. Frauen- und Mädchenprojekte werden daher intensiv durch Kollekten unterstützt und vorangetrieben.

Auch im Harlingerland haben sich in den vergangenen Wochen Frauen unterschiedlicher christlicher Kirchen intensiv auf diesen Tag vorbereitet, um morgen, Freitag, Männer und Frauen, Kinder und Jugendliche zum Gottesdienst im Zeichen des ökumenischen Weltgebetstages einzuladen. Die Termine im Überblick: Esens, 19.30 Uhr, Ev.-Freikirchliche Gemeinde, Hohekamp; Funnix, 19.30 Uhr; Langeoog, 19 Uhr, Haus Bethanien; Leerhafe, 19 Uhr; Werdum, 19.30 Uhr, Zentral- G; Westeraccum (auch für die Samtgemeinde Holtriem), 19.30 Uhr; Wittmund, 19 Uhr, St.-Nicolai-Kirche. Bereits heute, 2. März, wird der Weltgebetstag auf Spiekeroog (19 Uhr, AK) gefeiert. Für Sonnabend, 4. März, wird für den Südkreis um 19 Uhr nach Cäciliengroden eingeladen.

Im Anschluss an die ökumenischen Gottesdienste laden die Vorbereitungskreise zum Beisammensein ein. Dabei wird das diesjährige Schwerpunktland noch einmal in den Vordergrund gerückt – unter anderem durch landestypische Gerichte, die probiert werden können.

Quelle: Anzeiger für Harlingerland vom 02.03.2017